BRAND EINS \\ JULI

das deutsche brand eins magazin haben wir schon des öfteren empfohlen. die neue ausgabe mit pacman auf dem cover sticht einem sofort ins auge und da habe auch ich es nicht über das herz gebracht, nicht zuzugreifen. ‘geld verdienen im netz’ – wer will das nicht, der titel lockt also gewissermaßen eine breite masse an. bisher stand ich noch etwas anders zu brand eins: manche stories sind unglaublich – aber die sind eben rar. anders das aktuelle heft: kaum eine ausgabe bisher war spannender aufbereitet.

artikel über das urheberrecht im internet, über geld verdienen im WWW und interessante interviews über GEMA & co. viele fakten und informationen mögen zum großteil nur auf deutschland zutreffen, doch allein schon, um sich beim nächsten smalltalk über die wirklich wichtigen themen unterhalten zu können, sei einem die juli-ausgabe wärmstens empfohlen. dazu gesellen sich nämlich großartige illustrationen und collagen, die den nagel auf den kopf treffen, und was ich ohne ‘die welt in zahlen’ von brand eins machen würde, weiß ich sowieso nicht. teils kuriose fakten, wunderbar gegenübergestellt, zaubern einem – so trocken das thema auch sein mag – ein schmunzeln (oder zumindest ein lautes aha) ins gesicht.

ganz ohne witz: brand eins ist mit sicherheit das liebenswerteste wirtschaftsmagazin überhaupt.

NEVERTHELESS #3

hin und wieder zieht auch an uns das leben vorbei und wir verpassen dinge, die man lieber nicht verpassen sollte. das atelier olschinsky hat vor kurzem schon ausgabe nummer vier des hauseigenen ‘nevertheless‘-magazins in die läden (bzw. onlineshop) gebracht, doch wir sind jetzt erst besitzer von #3.

ausgabe nummer drei beschäftigt sich mit einer fülle an verschiedensten themen. ob ein reisebericht mit einer kaputten lomo in russland oder fotos von mo sarnitz’ häkel-arbeiten. besonders interessant und lesenswert sind die zahlreichen interviews im zugegeben recht dicken wälzer (320 seiten !). an der aufmachung gibt es olschinsky-typisch nichts zu bemängeln, das minimalistische design geben dem inhalt umso mehr platz. fotografien und illustrationen werden größtenteils ganzseitig präsentiert und so ist das nevertheless nicht nur ein magazin, sondern bei genauerem hinsehen auch ein zufluchtsort. mit geschichten zum träumen und entspannen. und vor allem mit ganz viel gefühl. selten, dass ein magazin derart guten inhalt visuell hervorragend präsentiert. gemeinsam mit dem nevertheless-team hat das atelier olschinsky so eine echte blüte der österreichischen medienlandschaft entwickelt und man darf sich auf weitere ausgaben freuen. der preis von 18 euro ist zwar etwas happig, aber wirklich jeden cent wert; online bestellen empfehlen wir aufgrund der versandkosten von fast 10 euro nicht – und sowieso macht es viel mehr spaß, das nevertheless gleich von anfang an in den händen zu halten.

fazit: für fans des schönen und ästhetischen ist der kauf des nevertheless ein absolutes muss !

GOLD \\ DIE NUMMER 1

wir reden nicht gern über sport. das team des GOLD-magazins schon. und dank der nummer 1 können wir in zukunft bei unheimlich wichtigen veranstaltungen und treffen, anstatt smalltalk über das wetter zu führen, endlich über sport plaudern. über synchronschwimmerinnen, tennis und die nba. und natürlich fußball. wie sich ein sportler ernähren sollte und eine fotostrecke von london, oder vielmehr ein fotografischer vergleich. das GOLD magazin ist äußerst sehenswert und überzeugt uns persönlich weniger durch den inhalt – wobei natürlich auch der ganz hervorragend ist, aber mit sport bei sportmuffeln zu punkten ist nicht ganz einfach – sondern viel mehr durch die unglaublich gelungene aufmachung. wo das cover noch durch einfachheit besticht, offenbart sich im innenteil eine wahre visuelle explosion. viel gold, wundervoll aufwendige illustrationen und authentische fotos, die berühren.

GOLD ist ohne frage gold wert und für sport-liebhaber sowieso ein absolutes muss. die kreativen köpfe dahinter, im grunde das fleisch-team, haben mit österreichs erstem, selbst für anti-sportler ansprechenden sport-magazin meisterhafte arbeit geleistet. und der wohl größte vorteil: endlich wissen wir, wann die welt 2012 noch im sportfieber ist; eine ungewissheit weniger.

MATERIAL GIRL \\ SUMMER ISSUE

seit einiger zeit ist die neue material girl-ausgabe draußen. die summer issue bietet wieder einmal gewohnt starke fotostrecken, benannt nach den darin posierenden models, wie etwa hannah, isabel oder stella. großartig: die serie ‘helene’. wunderbar ist auch das interview mit serge cajfinger – weil planen viel wichtiger ist als spontanes. nicht neu ist auch die präsentation von jungdesignern aus ganz europa; die summer issue bietet also wie bei jeder ausgabe großartiges. aber: wir vermissen die abwechslung. die bilder sind schön, die interviews interessant, aber was fehlt, ist das neue, das ungesehene.

fündig wird man da vielleicht beim pet fanclub.

HEADHUNTERS \\ REVIEW

der film ‘headhunters’, der erst vor kurzem in den kinos lief und schon bald auf dvd zu haben ist, basiert auf einem roman von jo nesbo. skandinavische filme im krimi-/thriller-genre sind sowieso grandios, da ist ‘headhunters’ keine große ausnahme. um kurz die handlung zu umreißen: roger brown ist headhunter (also personalberater) und kunstdieb, um den lebensstil seiner frau zu finanzieren. doch clas greve, ein bewerber, der früher bei einem gps-unternehmen gearbeitet hat, macht ihm einen strich durch die rechnung und möchte brown zu fall bringen. es kommt zu einer brutalen verfolgungsjagd – um leben und tod.

‘brutal’ trifft es recht gut, denn hin und wieder ist ‘headhunters’ wirklich nah an der grenze zum horror-splatter. manche szenen – wenn auch grausig – wirken fast schon ein wenig kurios. überzeichnete bilder, schnelle schnitte und der passende sound machen ‘headhunters’ – dank hervorragenden schauspielern – zur erfekten wahl für einen spannenden dvd-abend. daher: daumen hoch für einen der besten filme des neuen jahres.

PÄNG! MAGAZIN #1

schon die website des PÄNG!magazins begrüßt einen charmant. ‘schön, dass du da bist’ – das finden wir auch. das PÄNG!magazin ist eine neue zeitschrift, die schon auf den ersten blick durch das außergewöhnliche cover und beim ersten anfassen durch die hohe papierqualität überzeugt. ‘endlich draußen spielen’, das motto der ersten ausgabe, trifft den inhalt hervorragend. neben einer anleitung zum baumhaus bauen, ein wenig baumkunde und allerlei wunderbaren geschichten über das draußen-sein startet das heft mit einigen interviews.

sehr lesenwerst ist das PÄNG!magazin sowieso, aber vor allem auch die bilder und illustrationen haben es in sich. jede seite ist ein wenig anders gestaltet, das sorgt nicht nur für abwechslung, sondern macht aus dem PÄNG! einen echten augenschmaus. der name ist also programm, denn das magazin überrascht durchaus. auf den ersten blick traut man dem heft weitaus weniger zu – doch der schein trügt. PÄNG! ist überraschend erfrischend und anders. versandkostenfrei bestellt werden kann die erste ausgabe hier.

auf ausgabe zwei müssen wir zum glück nicht mehr lang warten – anfang juli, am 4., ist es soweit.

MELANCHOLIA \\ REVIEW

‘melancholia’ ist ein wahrhaftig spektakuläres endzeit-drama. mit kirsten dunst und kiefer sutherland  ist der film von lars von trier ein überaus empfehlenswerter streifen. fernab von hollywood’s 2012-vorstellungen zeichnet von trier ein völlig anderes bild. ein planet, melancholia genannt, rast auf die erde zu. gezeigt werden aber wissenschaftler noch experten, die halbwahrheiten von sich geben. der fokus liegt auf einer familie – dunst (‘justine’) hat gerade geheiratet. während sie trotz depressionen am letzten abend, den die erde erleben wird, noch ruhig und gelassen reagiert, gerät ihre schwester in panik. melancholia steuert auf die erde zu – ohne frage. nervöses pferdewiehern macht sich breit.

das gewaltige bilderspektakel zeigt sich schon zu beginn des films. mit musik aus ‘tristan und isolde’ sieht man eine kirsten dunst im seerosenbett, sich langsam bewegende bilder, die das ende des films bereits hervorsagen. fraglich für den zuschauer aber, ob es wirklich so kommen mag. am ende des films unterstreicht von trier die apokalypse lediglich mit musik. gesprochen wird wenig, die bilder sind dafür umso dramatischer. ‘melancholia’ ist mit sicherheit der schönste welteruntergang, den es auf dvd zu kaufen gibt. und auch, wenn mittlerweile jeder die handlung kennt – denn spoiler braucht es nicht – der film ist trotzdem sehenswert. weil von trier nicht eine welt und eine gesellschaft (auf kleinem raum) zeichnet, die angst vor dem untergang hat. und sich dunst meisterhaft verhält in ihrer rolle der prophezeienden justine.

und was den plot betrifft: dass sich melancholia von der erde wieder entfernt und nicht direkt darauf zusteuert, bleibt nur kurzzeitig mithilfe einer ‘erfindung’ des sohnes bewiesen. denn was dann kommt, stellt alles andere in den schatten.

DIE NEUE ZEIT CAMPUS

endlich lag sie gestern im postkasten – die neue ZEIT campus. das heft, das speziell für studenten konzipiert ist – und ganz allgemein dieselbe zielgruppe anspricht wie die NEON -, kommt diesmal mit zwei extras. einem berufsbilder-ratgeber für ingenieure und ein kleines kurzgeschichten-booklet. die kurzgeschichten sind die drei gewinnertexte des ZEIT campus-literaturwettbewerbs 2012; prädikat: äußerst lesenwert.

weil sich auch sonst im leben alles um das liebe geld dreht, widmet sich die ZEIT campus diesmal ebenfalls diesem thema. der kontostand bestimmt über das leben – wie man damit richtig umgehen soll, erklärt eine 8-seitige reportage. wie im moment gerade überall, wird auch im heft facebook diskutiert – gut oder schlecht ? herrlich ist die fotostrecke ‘kleidertausch’ von hana pesut. während der entstehung kam so nämlich zutage, dass sich einige frauenkleidungsstücke auch bei männern gut machen würden. herrlich amüsant ist die beantwortung der frage ‘dürfen professoren schlau sein?’ – wozu auch gleich vier dozenten stellung nehmen.

wir freuen uns auf die nächste ausgabe, sind aber durchaus betrübt, dass die ZEIT campus bloß alle zwei monate erscheint.

DIAGONALE ’12 \\ REVIEW

gestern, sonntag, ging das festival für österreichische filme wieder zu ende; die rede ist von der diagonale ’12.
vorgestern, am samstagabend wurden die preise in den verschiedenen kategorien vergeben.
der preis für den besten film ging heuer an sebastian meise; sein werk ‘stillleben’, welches im jahr 2011 entstand handelt von pädophilie. in diesem preisgekrönten film spielt auch die soap & skin sängerin anja plaschg mit. den trailer seht ihr hier:

in der kategorie dokumentationen konnte heuer die dokumentation ‘richtung nowa huta’ – der macher ist dariusz kowalski. der film handelt von seiner ursprünglichen heimat – polen;

neben den bereits genannten filmen wurden selbstverständlich noch viele weitere werke österreichische regisseuere gezeigt; so beispielsweise auch der film, den mittlerweile viele von euch schon aufgrund der in großer zahl verbreiteten plakate kennen: ‘spanien’ – die regisseurin dieses filmes ist die wienerin anja salomonowitz; hier der dazugehörige trailer:

ALL DES KÖNIGS PFERDE \\ REVIEW

all des königs pferde ist ein kurzfilm der beiden studenten florian döring und christoph metzger.
in den hauptrollen: matthias brüggenolte und beate malkus. der film basiert auf der novelle von mischa-sarim vérollet, autor und poetry-slammer par excellence.
der inhalt: ein pärchen – sie leidet unter krebs, er will die große karriere – entzweit sich im alltag immer mehr. die zerbrechlichen augenblicke des films sind faszinierend und berührend.
grandios in seiner rolle: matthias brüggenolte, der den schnellen wechsel zwischen schönen und traurigen szenen hervorragnend beherrscht. wunderbar psychedelisch und fast schon ein bisschen verstörend ist dem filmer-duo die schlussszene gelungen (die müsst ihr euch aber selbst ansehen – da verraten wir euch nichts).

knapp 40 minuten dauert der wunderbare kurzfilm, der im rahmen ihrer abschlussarbeit an der hochschule ansbach entstanden ist. da können wir eigentlich nur hoffen, dass man von den zweien noch einiges mehr hört. 

der film ist zusammen mit dem wunderbar illustrierten buch (illustrationen von markus freise) beim lektora verlag erhältlich.

DER PROZESS \\ REVIEW

‘der prozess’ ist eine hervorragend zusammengestellte dokumentation über den bekannten tierschützerprozess, der monatelang in wiener neustadt stattfand. dass sich einige der angeklagten tatsächlich so vorkamen, als wären sie im falschen film, lag nicht etwa daran, dass sie bei ihren aktionen und vor dem gerichtssaal von kameras begleitet wurden, sondern viel mehr an den absurden umständen.

ein großer lauschangriff mitsamt verdeckter ermittlerin, danielle durand, ging dem prozess voraus. auch ein tierschützer aus unserer nähe war betroffen und verbrachte einige monate in u-haft. ihre menschenrechte wurden klar verletzt, entschädigung von seiten des staates stehen ihnen zurzeit aber noch nicht in aussicht.

ihre leben wurden ruiniert und so ist der film teilweise nicht nur äußerst amüsant, da oft sehr unpassende szenen aneinandergereiht wurden (auf ein seriöses interview mit frau ex-ministerin bandion-ortner folgte etwa eine szene der parade am jägerball), sondern vor allem sehr emotional. und das gefällt uns.

der prozess‘ ist eine österreichische dokumentation, wie man sie bisher selten gesehen hat. das thema dahinter betrifft uns nämlich alle und regisseur hauzenberger hat das schön von allen seiten und teils auch mit zwinkerndem auge beleuchtet.

DER GOTT DES GEMETZELS \\ REVIEW

roman polanski fanden wir ja schon immer gut. mit ‘der gott des gemetzels’ übertrifft er sich aber definitiv selbst – der neue streifen, der auf der theatervorlage von yasmina reza basiert, hat uns am gestrigen abend knappe eineinhalb stunden zum lachen gebracht.
doch nicht etwa, weil ein witz den anderen jagt, sondern weil ‘der gott des gemetzels‘ eine derartige situationskomik aufbaut, wie wir sie bisher noch in keinem anderen film erlebt haben. die vier schauspieler – kate winslet, jodie foster, christoph waltz und john c. reilly – mutieren im laufe des films zu tickenden zeitbomben und gehen früher oder später auch tatsächlich hoch. das treffen, das eigentlich zur schlichtung eines streits zwischen den söhnen der beiden pärchen, die verschiedener nicht sein könnten, geplant war, artet völlig aus.
highlight: waltz’ notorisches genuschel und seine sarkastischen anmerkungen gepaart mit wunderbar amüsanter gestik. lob hat sich aber auch jodie foster, eine unserer lieblingsschauspielerinnen, verdient, deren gequatsche über ‘westliche werte’ innerhalb weniger minuten sämtliche nerven strapaziert und man als zuseher gut verstehen kann, warum sich winslet dann übergeben muss (herrlich !).

ganz ehrlich: ich habe bei einem film noch nie so gelacht – das absurde hin-und-her und die grossartigen wortwitze sind eine echte seltenheit bei hollywood-streifen. ‘hemmungslos gelacht’ trifft es zwar nicht ganz, weil man im kino ja nicht völlig allein ist. deshalb wird der kauf der dvd für mich wohl noch zum muss. die bissigen, schonungslosen und scharfzüngigen dialoge sind grund genug, mir den film in einiger zeit noch einmal anzusehen.

die feinsinnigen akteure von ‘der gott des gemetzels’ sind die eigentliche quintessenz des films. die charaktere, die sich innerhalb kürzester zeit wandeln und unterschiedliche positionen im – man kann durchaus sagen – streit einnehmen, sind neben der tatsache, dass der komplette film auf die wohnung der longstreets beschränkt ist, zeichen für die filmische zurückhaltung polanskis.

man sieht: für einen guten film braucht es nicht viel. ausser einem kongenialen drehbuch, vier authentischen schauspielern und einem exzellenten regisseur.